Vorwort Erzbischof

Liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Brüder und Schwestern

Erzbischof Mor Dionysios IsaEinerseits ist der Wohlstand im Westen augenscheinlich sichtbar, andererseits ist der Mensch heute vielen negativen Einflüssen ausgesetzt. Viele Mitmenschen leiden heute unter psychischen, physischen und sozialen Problemen. Insbesondere sind viele Menschen mit dem beruflichen Dauerstress und mit den Spannungen im Familienleben überfordert. Das menschliche Gleichgewicht gerät dadurch aus der Balance. Der Grund liegt meines Erachtens darin, dass viele Menschen auf sich selbst bezogen sind. Ihr Blick ist nur noch nach unten gerichtet und darum eingeengt. Sie haben verlernt, den Blick nach oben zu richten, um in die Weite zu schauen. Der eingeschränkte Blick führt zu einer Isolierung und Entfremdung des einzelnen Menschen von den Mitmenschen und von Gott. So dreht der Mensch um die eigene Achse und findet keine Antwort, warum und wozu er dies überhaupt tut. Wenn der Mensch wieder lernt, den Blick nach oben, in die Weite zu richten, so besteht die Hoffnung, dass er auf seine Fragen Antworten erhält. Die Fragen nach dem Eigentlichen kann er sich nicht selberbeantworten, die Antwort wird ihm geschenkt. Für mich ist die geschenkte Antwort der Glaube. Gewiss, der Mensch soll den Verstand nutzen. Der Verstand soll dem Menschen dienen. Doch der Verstand hat seine Grenzen. So kann er uns nicht sagen, woher die wahre Liebe kommt. Durch den Glauben öffnen wir uns der Weite und lassen Gott und damit die Liebe hier und jetzt in unsere Welt hinein. „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,16). Sie befreit uns von unserer zwanghaften Ich Bezogenheit und führt uns zum Nächsten – zur Nächstenliebe.

Meiner Meinung nach kann eine Gesellschaft ohne Nächstenliebe auf die Dauer nicht existieren. Sie zerstört sich selbst. Eine gesunde Gesellschaft darf sich vor ihr nicht verschliessen. Die Gottes- und Nächstenliebe sind die eigentlichen Grundgebote, auf denen die christlichen Werte aufbauen. Als Bischof und Leiter der Erzdiözese der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien in der Schweiz und Österreich ist es ein grosses Anliegen, dass diese Basis und die darauf aufbauenden christlichen Werte vermittelt und gefördert werden. Das Kloster St. Avgin (St. Zeno) in Arth soll ein Ort werden, wo dies geschehen kann. An diesem Ort sollen gemeinsame Gottesdienste gefeiert werden. An diesem Ort sollen sich Menschen mit verschiedenen Sprachen und Kulturen begegnen und geistig austauschen können. An diesem Ort sollen Menschen gefördert werden, sich in die Kultur und die Gepflogenheiten des Landes zu integrieren. An diesem Ort sollen gemeinsame Lösungen für schwierige Lebenssituationen besprochen und angegangen werden. Insbesondere möchte unsere Kirche mithelfen, die Situation von Familien und Jugendlichen zu verbessern, die in ihrer Not Kraft und Unterstützung benötigen. Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie mit, dass St. Avgin zu diesem wertvollen Ort für die Gemeinschaft wird. Gemeinsam mit unseren Schwesternkirchen leisten wir einen Beitrag für eine gesunde Gesellschaft, die das Fundament eines Landes ist. Im Namen der Geistlichen und Kirchenräte möchte ich mich bei allen bedanken, die das Projekt der Sanierung des Klosters St. Avgin unterstützen.

Signatur Erzbischof Mor Dionysios Isa

Erzbischof Mor Dionysios Isa

Präsident Antioch-Stiftung / syrisch-orthodoxes Erzbistum Schweiz-Österreich