Vom Kapuzinerkloster zum Bischofssitz

Kloster FrontNach 341 Jahren haben die Kapuziner am 25. August 1996 das Kloster Arth verlassen. Sowohl die röm.-kath. Kirchgemeinde Arth als auch die Mitbürgerinnen und Mitbürger machten sich Sorgen um die unsichere Zukunft der Klosterkirche und der Klosteranlage. Der Kapuzinerorden war rechtlicher Eigentümer der ganzen Klosteranlagen und konnte über die künftige Nutzung selber entscheiden. Der Entscheid, das Kloster der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien zu übertragen, wurde in Arth mit grossem Wohlwollen aufgenommen und begrüsst.

Viele syrisch-orthodoxe Familien wohnen bereits seit langer Zeit bei und mit uns. Dank der gegenseitigen Anerkennung der Heiligen Sakramente besuchen sie regelmässig den katholischen Gottesdienst in Arth und Umgebung. Einzelne Familienmitglieder engagieren sich sogar in unserer Kirche als Lektoren. Die immer grösser werdende Diasporagemeinde war schon lange auf der Suche nach einem geeigneten geistigen Zentrum und fand in Arth die gewünschte Infrastruktur zur Errichtung des Klosters St. Avgin (aramäisch: St. Eugen). Vor zwölf Jahren hat wohl niemand geahnt, dass Arth einmal sogar Sitz des Erzbischofs der Diözese Schweiz- Österreich wird. Mindestens einmal jährlich findet in der Pfarrkirche Arth ein ökumenischer Gottesdienst statt. Es ist nicht auszuschliessen, dass in der Zeit des immer grösser werdenden Priestermangels in unserer Kirche die gemeinsamen Feiern in Zukunft noch vermehrt an Bedeutung gewinnen werden.

Ich konnte mich an Ort und Stelle persönlich überzeugen, dass die vorgesehenen Renovationsarbeiten dringend notwendig sind, damit das Kloster die Aufgabe als geistiges und kulturelles Zentrum der syrisch-orthodoxen Christen wahrnehmen kann. Die von Erzbischof Mor Dionysios Isa vorgegebenen Ziele für den Unterricht der Kinder und Jugendlichen sowie die Weiterbildung der Erwachsenen verdient die Unterstützung der ganzen Bevölkerung. Es werden christliche Werte vermittelt, die leider in unserer Gesellschaft zum Teil verloren gegangen sind und sich in der Respektlosigkeit gegenüber Mitmenschen widerspiegelt. Viele interessante Angebote stehen allen Interessierten offen. Es bleibt zu hoffen, dass diese von der Bevölkerung auch genutzt werden. Das Kloster St. Avgin möchte sich zu einem Ort der Begegnung etablieren und sich zu einem wichtigen Bildungsstandort entwickeln.

Die syrischorthodoxen Mitchristen in der Erzdiözese Schweiz-Österreich sind, trotz namhafter staatlicher Unterstützung, auf grosszügige Gönner und Spender angewiesen, damit die dringend notwendigen Bauarbeiten finanziert werden können. Die denkmalpflegerische Begleitung der Bauarbeiten garantiert, dass zur wertvollen Bausubstanz aus dem 17. Jahrhundert Sorge getragen wird. Schliesslich geht es auch darum, für die Gemeinde Arth und die Region eine historisch bedeutende Klosteranlage der Nachwelt zu erhalten.

Signatur Werner Inderbitzin

Werner Inderbitzin

alt Landammann und Präsident des Vorstandes der röm.-kath. Kantonalkirche, Schwyz